22
Oktober
2026
|
09:00
Europe/Amsterdam

Bundesverkehrsminister testet fernverkehrstauglichen E-Lkw von MAN

Mehr Tempo bei Rahmenbedingungen nötig

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  • Bundesverkehrsminister Steffen Bilger informiert sich bei MAN über neueste E-Lkw-Technologie und testet MAN eTGX
  • Elektro-Lkw sind alltagstauglich und praxiserprobt – Ladeinfrastruktur, Stromnetze, Finanzierung und industriepolitische Rahmenbedingungen müssen nun Schritt halten
  • Neuer MAN eTGX fährt bis zu 720 Kilometer ohne Zwischenladen und ist damit voll fernverkehrstauglich – er lädt über das Megawatt-Charging-System mit bis zu 750 kW in rund 30 Minuten
  • MAN Elektro-Lkw haben bereits mehr als 60 Millionen Kilometer im Kundeneinsatz absolviert

Elektrische Lkw sind bei MAN nun seit über einem Jahr in Serienproduktion und damit bereit für den flächendeckenden Markthochlauf. Dafür müssen die Rahmenbedingungen für Elektromobilität mit dem Tempo von Industrie und Transportbranche Schritt halten. Diese Botschaft stand im Mittelpunkt des Besuchs von Bundesverkehrsminister Steffen Bilger bei MAN Truck & Bus in München. Dabei lernte er die technischen Innovationen des neuen MAN eTGX kennen, der erst wenige Wochen zuvor auf der IAA Transportation 2026 Weltpremiere gefeiert hatte. Dass der Batterieantrieb vollumfänglich praxistauglich ist, haben MAN Elektro-Lkw seit ihrer Markteinführung bereits mit über 60 Millionen Kilometern im realen Kundeneinsatz bewiesen.

Im Anschluss an Produktpräsentation und Testfahrt tauschte sich Bilger mit Alexander Vlaskamp, Vorsitzender des Vorstands von MAN Truck & Bus, und Frederik Zohm, Vorstand für Forschung und Entwicklung, über die nächsten notwendigen Schritte für einen erfolgreichen Hochlauf batterieelektrischer Lkw aus.

„Mein Besuch bei MAN hat mich einmal mehr von der Zukunftsfähigkeit von E-Lkw überzeugt. Der Straßengüterverkehr ist zentral für den Wirtschaftsstandort Deutschland. Gleichzeitig steht er vor der großen Herausforderung, klimafreundlicher zu werden. Dafür braucht es vor allem eine leistungsfähige Ladeinfrastruktur. Deshalb investieren wir gezielt in den Ausbau eines flächendeckenden Schnelladenetzes für E-Lkw. Mit unserem milliardenschweren Förderprogramm sind rund 4.200 Ladepunkte an 350 Rastanlagen geplant. Außerdem unterstützen wir Unternehmen, die ihre Depots mit Ladepunkten ausstatten wollen, ebenso wie Investoren, die öffentlich zugängliche Ladeinfrastruktur für schwere Nutzfahrzeuge errichten. So schaffen wir Planungssicherheit für die Branche. Für uns ist klar: Der Markthochlauf für E-Lkw gelingt nur mit leistungsfähigen Lademöglichkeiten. Dazu tragen wir bei“, sagt Bundesverkehrsminister Steffen Bilger.

„Die Testfahrt des Bundesverkehrsministers mit unserem MAN eTGX zeigt: Der elektrische Lkw ist keine Zukunftsmusik mehr, sondern ein praxisbewährtes Produkt für alle Anwendungen – egal ob auf der Baustelle, im Verteiler- oder im Fernverkehr. Die Industrie hat geliefert. Jetzt muss die Politik in Brüssel und Berlin den Markthochlauf durch Ladeinfrastruktur, Netze, Finanzierung und industriepolitische Rahmensetzung aktiv unterstützen. Wir begrüßen den Start des deutschlandweiten Lkw-Schnellladenetzes. Entscheidend ist nun eine zügige Umsetzung. Zugleich braucht die Branche praxistaugliche Rahmenbedingungen, darunter die dauerhafte Zulassung von 44 Tonnen Gesamtgewicht für lokal emissionsfreie Fahrzeuge – analog zum kombinierten Verkehr. Wenn Politik, Industrie und Transportbranche gemeinsam die notwendigen Voraussetzungen schaffen, kann der Hochlauf lokal emissionsfreier Nutzfahrzeuge deutlich schneller gelingen – zum Nutzen von Klima, Wirtschaft und Industriestandort Deutschland“, sagt Alexander Vlaskamp, CEO von MAN Truck & Bus.

Zentrale Handlungsfelder für den Markthochlauf

Damit sich elektrische Lkw in der Breite durchsetzen können, muss nicht allein die notwendige Ladeinfrastruktur schnell wachsen, zugleich brauchen vor allem Logistikzentren und Speditionen leistungsfähige Stromanschlüsse: 70 bis 80 Prozent der Lkw werden dort geladen. Der Ausbau der Stromnetze muss deshalb die Anforderungen des Güterverkehrs stärker berücksichtigen.

Doch Infrastruktur allein reicht nicht. Der Umstieg auf elektrische Lkw erfordert von Transportunternehmen erhebliche Investitionen, nicht nur in neue Fahrzeuge, sondern auch in die Ladeinfrastruktur ihrer Depots. Gerade für kleine und mittlere Unternehmen müssen deshalb Finanzierungshürden gesenkt und passende Fördermöglichkeiten geschaffen werden.

Entscheidend ist schließlich, dass Unternehmen langfristig verlässlich planen können. Der Ausbau der Ladeinfrastruktur kommt in vielen europäischen Ländern deutlich langsamer voran als vorgesehen. Da der Straßengüterverkehr vielfach grenzüberschreitend stattfindet, braucht es deshalb europaweit ein besseres Zusammenspiel zwischen politischen Klimazielen und den tatsächlichen Voraussetzungen für deren Erreichung. Aus Sicht von MAN sollten die zeitlichen Vorgaben für die CO₂-Ziele von Lkw und Bussen daher an die Entwicklung der notwendigen Infrastruktur angepasst werden. Gleichzeitig braucht Europa Rahmenbedingungen, die Investitionen ermöglichen und dazu beitragen, Innovation, industrielle Wertschöpfung und Arbeitsplätze am Standort Europa zu sichern.

MAN eTruck bereits in zweiter Generation

Der neue MAN eTGX erreicht bis zu 720 Kilometer Reichweite ohne Zwischenladen, lädt über das Megawatt-Charging-System (MCS) mit bis zu 750 kW und fährt bis zu drei Prozent effizienter als sein Vorgänger. Eine optimierte Fahrzeugfront verbessert zudem die direkte Sicht auf andere Verkehrsteilnehmer vor und neben dem Fahrzeug.

Das elektrische Nutzfahrzeugportfolio von MAN umfasst die Baureihen eTGL, eTGM, eTGS und eTGX und deckt damit Anwendungen von 12 bis 50 Tonnen Gesamtgewicht ab. Mit seinem modularen Batteriesystem lässt sich der MAN eTGX auf unterschiedliche Einsatzprofile abstimmen. Eine typische 4x2-Sattelzugmaschine mit sechs Batterien und 552 kWh Gesamtkapazität erreicht bis zu 660 Kilometer. Die künftig ebenfalls verfügbare 6x2-Sattelzugmaschine mit sieben Batterien und 644 kWh Gesamtkapazität fährt bis zu 720 Kilometer ohne Zwischenladen.

Die neue Batteriegeneration bietet bei unverändertem Gewicht bis zu zehn Prozent mehr nutzbare Energie. Gleichzeitig steigt die Antriebsleistung auf bis zu 440 kW beziehungsweise 598 PS. Zugleich steigt die maximale Rekuperationsleistung von 400 kW bei der Vorgängergeneration auf 480 kW beim neuen eTGX. Damit kann auf sehr bergigen Strecken, wie z.B. der Brennerroute, der Energiemehrverbrauch bergauf durch anschließende Streckenabschnitte bergab nahezu ausgeglichen werden. Insgesamt ermöglicht die höhere Rekuparation im Zusammenspiel mit der aerodynamisch optimierten, um 120 Millimeter nach vorne gezogenen Fahrzeugfront eine Effizienzsteigerung von bis zu drei Prozent gegenüber der Vorgängergeneration. Mit dem optionalen MCS-Ladeanschluss lassen sich die Batterien in rund 30 Minuten wieder aufladen. Der Ladevorgang kann damit in die gesetzliche 45-Minuten-Lenkzeitpause des Fahrers integriert werden.

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