01
Oktober
2026
|
10:00
Europe/Amsterdam

Autonomer eBus für München: MAN und MVG bringen autonomes Fahren in den Stadtverkehr

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  • Nach erfolgreichen Tests beginnt die Erprobung im öffentlichen Straßenverkehr
  • Erforderliche Genehmigungen durch den TÜV und das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) erteilt
  • Pilotbetrieb mit ausgewählten Testnutzerinnen und Testnutzern soll ab November starten
  • Forschungsprojekt MINGA erreicht wichtigen Meilenstein auf dem Weg zum autonomen ÖPNV

Was lange als Zukunftsvision galt, wird in München nun erlebbar: ein autonomer Linienbus im öffentlichen Nahverkehr. Im Forschungsprojekt MINGA haben MAN Truck & Bus und die Stadtwerke München (SWM) mit der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) unter der Konsortialführung des Mobilitätsreferats einen entscheidenden Meilenstein erreicht. Seit Anfang September ist der automatisierte MAN Lion's City 12 E erstmals auf der Linie 178 zwischen Petuelring und Freimanner Hölzl unterwegs. Damit ist der 12 Meter lange Stadtbus, der von MAN und seinem Technologiepartner ADASTEC automatisiert wurde, erstmals für die Öffentlichkeit im Stadtverkehr sichtbar.

Der Bus wird derzeit noch von speziell geschulten Testfahrerinnen und Testfahrern von MAN und MVG begleitet. In den kommenden Wochen werden umfangreiche Streckendaten erfasst, um die Voraussetzungen für einen zunehmend autonomen Betrieb zu schaffen. Während des gesamten Projekts befindet sich jederzeit Sicherheitsfahrpersonal an Bord, das die Fahrzeugführung bei Bedarf unmittelbar übernehmen kann.

Christian Hirte, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr: „Autonome Mobilität wird Teil unseres Verkehrssystems der Zukunft sein. Entscheidend ist, dass wir sie unter realen Bedingungen erproben und Erfahrungen für den praktischen Einsatz sammeln. Mit dem Start der nächsten Testphase fährt in München erstmals ein autonomer Solobus im öffentlichen Straßenraum. Das Projekt MINGA erreicht damit einen weiteren Meilenstein und zeigt, wie autonome Fahrzeuge den öffentlichen Verkehr künftig sinnvoll ergänzen und flexibler machen können. Diese Entwicklung unterstützen wir mit rund 13 Millionen Euro.“

Mobilitätsreferent Georg Dunkel: „Mit dem autonomen 12-Meter-Bus, den wir jetzt auf die Straße bringen, gehen wir einen wichtigen Schritt in Richtung eines regulären Einsatzes autonomer Fahrzeuge im öffentlichen Nahverkehr. Nachdem seit Kurzem schon ein autonomer On-Demand-Shuttle in München unterwegs ist, setzen wir damit einen weiteren wichtigen Meilenstein für die Weiterentwicklung der urbanen Mobilität. Mein Dank gilt allen Partnern, insbesondere MAN und MVG, für die enge Zusammenarbeit und das Engagement. Das Projekt MINGA zeigt, wie Innovation direkt vor Ort entsteht und die Zukunft der Mobilität in München gestaltet.“

„Mit den ersten Testfahrten auf der Linie haben wir die kontrollierte Umgebung unseres Werksgeländes verlassen und bringen unser System in den echten Stadtverkehr. Das ist ein enorm wichtiger Schritt hin zur automatisierten urbanen Mobilität“, sagt Barbaros Oktay, Head of Bus bei MAN Truck & Bus.

Sinaida Cordes, Prokuristin der SWM und MVG: „Die Erkenntnisse aus dem MINGA-Projekt sind für die MVG als Betreiber des öffentlichen Nahverkehrs von großer Bedeutung. Sie helfen uns, die Einsatzmöglichkeiten autonomer Busse im öffentlichen Nahverkehr besser zu verstehen und deren Potenzial für Fahrgäste und Betrieb zu bewerten. Langfristig sehen wir in autonomen Fahrzeugen die Chance, den ÖPNV noch attraktiver, flexibler und effizienter zu gestalten und so einen wichtigen Beitrag zur Mobilität der Zukunft zu leisten.“

„Die Linie 178 bietet ideale Bedingungen für den Testbetrieb. Sie vereint unterschiedliche Verkehrssituationen, wie Hauptverkehrsachsen, Tempo-30-Zonen, Parkgebieten und Unterführungen. Damit ist das abwechslungsreiche Münchner Busnetz gut repräsentiert. Für den perspektivischen Linienbetrieb ist es von großer Bedeutung, die Tests möglichst praxisnah durchzuführen“, ergänzt Veit Bodenschatz, Bus-Chef bei SWM und MVG.

Strecke wird für das autonome Fahren digitalisiert

Im Rahmen der aktuellen Testfahrten werden die für den autonomen Betrieb erforderlichen Streckeninformationen gesammelt. „Das ist nötig, da für autonomes Fahren eine hochauflösende und äußerst präzise Karte der Strecke benötigt wird“, erklärt Marc Raudszus, Technical Coordinator und Testfahrer bei MAN Truck & Bus.

Hierfür erfasst das Fahrzeug mit modernster Sensorik die Umgebung: Der Bus ist mit fünf LiDAR-Sensoren, sechs Radaren, acht Kameras und einer satellitengestützten Positionsbestimmung ausgestattet. Anhand dieser Daten integriert Technologiepartner ADASTEC anschließend relevante Straßen- und Verkehrsinformationen wie Ampeln, Zebrastreifen, Fahrspurverläufe und andere relevante Merkmale in eine hochauflösende digitale Karte (HD-Karte), die eine präzise Lokalisierung entlang der Route ermöglicht. Dies bildet die Grundlage dafür, dass der Stadtbus die Strecke in wenigen Wochen eigenständig und sicher befahren kann. „Das Fahrzeug wird dabei unter anderem selbst lenken, Gas geben, bremsen und blinken. Das Sicherheitsfahrpersonal bleibt dennoch jederzeit an Bord, um die Systeme zu überwachen“, erklärt Dr. Michael Roth, Leiter Bus-Strategie und Produktstrategie Bus bei MAN.

„Unser MAN Lion's City E sammelt derzeit kontinuierlich Daten und wird dabei für den geplanten automatisierten Betrieb weiter optimiert“, sagt Marc Raudszus und ergänzt: „Eine besondere Herausforderung ist neben der Technik auch die Größe des Fahrzeugs. Umso wichtiger ist uns ein vorsichtiges, zurückhaltendes Fahrverhalten. Denn neben der technischen Reife geht es im MINGA-Projekt auch darum, Vertrauen in die neue Technologie aufzubauen.“

Testbetrieb unter realen Bedingungen

Voraussichtlich ab November starten MVG und MAN eine weitere Phase mit Testnutzerinnen und Testnutzern entlang der Linie 178. Dabei wird der Bus als zusätzliches Fahrzeug auf der bestehenden Linie eingesetzt und simuliert einen späteren Einsatz im regulären Linienbetrieb unter möglichst realen Bedingungen. In dieser Projektphase können ausgewählte Testnutzerinnen und Testnutzer im Rahmen einer geschlossenen Nutzergruppe mitfahren. Der Bus verfügt über rund 30 Sitzplätze sowie einen Rollstuhl- beziehungsweise Kinderwagenplatz.

Vor dem Einsatz im öffentlichen Straßenverkehr hat der automatisierte Elektrobus ein umfangreiches Testprogramm auf dem MAN-Gelände erfolgreich absolviert. Dazu gehörten die Prüfung der elektromagnetischen Verträglichkeit sowie die Validierung sämtlicher Funktionen des automatisierten Fahrsystems des MAN-Partners ADASTEC in einer Vielzahl definierter Testszenarien. „Oberste Prämisse war dabei, dass das an Bord befindliche Sicherheitsfahrpersonal jederzeit in der Lage sein muss, bei einem möglichen Systemfehler einzugreifen“, macht Raudszus deutlich.

Auf dieser Basis wurden die erforderlichen technischen Prüfungen durch den TÜV und weitere Genehmigungsverfahren durchlaufen. Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) war dabei für die Erteilung der Betriebserlaubnis nach der AFGBV (Autonome-Fahrzeuge-Genehmigungs-und-Betriebs-Verordnung) zuständig. „Damit sind alle regulatorischen Voraussetzungen für den jetzt gestarteten Testbetrieb im Münchner Straßenverkehr erfüllt“, so Roth.

Anmeldung zur Mitfahrt bereits möglich

Interessierte können sich bereits jetzt unter mvg.de/minga-anmeldung für eine Teilnahme registrieren. Über den konkreten Start der Mitfahrmöglichkeit informiert die MVG zu gegebener Zeit gesondert.

MINGA als Schlüsselprojekt für die Mobilität der Zukunft

Ziel von MAN ist es, mit dem Einsatz von autonomen Bussen den öffentlichen Personennahverkehr der Zukunft effizienter, flexibler und nachhaltiger zu gestalten. So bieten autonome Systeme großes Potenzial zur Sicherstellung und Verbesserung des Mobilitätsangebots – vor allem im Hinblick auf wachsende Städte und einen zunehmenden Fahrermangel. Bereits seit Jahren arbeitet MAN an fahrerlosen Bussen. Die jetzt gewonnen Erfahrungen aus dem MINGA-Projekt fließen direkt in die Weiterentwicklung zukünftiger Fahrzeuggenerationen ein. Im Forschungsprojekt MINGA setzt MAN mit ADASTEC als Technologiepartner dabei auf einen spezialisierten Anbieter für automatisierte Fahrsysteme. Das Unternehmen entwickelt Softwarelösungen für automatisiertes Fahren auf SAE-Level 4 (vollautomatisierte Fahrzeuge) für Busse und Nutzfahrzeuge.

Das Forschungsvorhaben MINGA „Münchens automatisierter Nahverkehr mit Ridepooling, Solobus und Bus-Platoons“ wird seit 2023 mit insgesamt 16 Partnern aus Verwaltung, Forschung und Wirtschaft umgesetzt. Das Mobilitätsreferat der Landeshauptstadt München verantwortet als Konsortialführer das Gesamtprojekt. Ziel ist es, automatisierte und vernetzte Mobilitätslösungen in das bestehende Verkehrssystem zu integrieren und zentrale Fragestellungen zu Technik, Regulierung, Wirtschaftlichkeit, Barrierefreiheit und Betrieb zu beantworten. Gefördert wird das Projekt dabei bis Mitte 2027 mit rund 13 Millionen Euro durch das Bundesministerium für Verkehr (BMV) im Rahmen der Förderrichtlinie „Autonomes und vernetztes Fahren in öffentlichen Verkehren“. Weitere Informationen zum Projekt finden sich unter mvg.de/minga und muenchenunterwegs.de/minga.

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