03
April
2025
|
12:19
Europe/Amsterdam

Erster Besuch von EU-Verkehrskommissar Tzitzikostas in Deutschland gilt MAN

Download
  • Elektrifizierung des Straßengüterverkehrs als zentraler Hebel zur Dekarbonisierung 
  • Für erfolgreichen Hochlauf der grünen Mobilität werden bis 2030 rund 50.000 Ladepunkte in Europa benötigt 
  • MAN-CEO Alexander Vlaskamp: „EU-Aktionsplan für Mobilität geht in die richtige Richtung aber Umdenken bei der CO2-Regulierung erforderlich“ 

Der allererste Besuch in Deutschland führte den neuen EU-Kommissar für Nachhaltigen Verkehr und Tourismus, Apostolos Tzitzikostas, zu MAN Truck & Bus nach München. MAN-CEO Alexander Vlaskamp und Technikvorstand Dr. Frederik Zohm sprachen mit EU-Verkehrskommissar Apostolos Tzitzikostas über die Zukunftsthemen des Verkehrssektors: Elektrifizierung, Automatisierung und Digitalisierung. Und über den Aktionsplan der EU, der Europas Fahrzeughersteller wettbewerbsfähig halten soll. MAN-CEO Alexander Vlaskamp bezeichnete den Plan als „Schritt in die richtige Richtung“, forderte aber einen noch schnelleren Ausbau der Ladeinfrastruktur sowie ein Umdenken bei der CO2-Regulierung. 

Die Europäische Union hat das Ziel, die CO2-Emissionen des Straßengüterverkehrs signifikant zu senken und zugleich die Automobilindustrie als wichtigen Wirtschaftsfaktor des Kontinents zu stärken. Anfang März wurde von Apostolos Tzitzikostas ein Aktionsplan vorgestellt, der Europas Fahrzeughersteller innovativ und wettbewerbsfähig halten soll. Zu den wichtigsten Punkten des Aktionsplans gehören eine Verbesserung der Rahmenbedingungen für nachhaltige und vernetzte Mobilität. Besonders im Fokus: der schnellere Aufbau von Ladeinfrastruktur für schwere Nutzfahrzeuge in ganz Europa.  

MAN nimmt diese Herausforderung aktiv an: „Wir begrüßen den Aktionsplan der EU und die Maßnahmen zur Unterstützung der Nutzfahrzeugindustrie. Das ist ein Schritt in die richtige Richtung“, so MAN-CEO Alexander Vlaskamp beim Besuch von Tzitzikostas am 3. April in München. „Parallel haben wir selbst unsere Hausaufgaben gemacht und bereits den größten Transformationsprozess angestoßen, den es in unserem Unternehmen je gegeben hat.“ Da mehr als 95 Prozent der Treibhausgasemissionen von MAN durch die Nutzung neu verkaufter Fahrzeuge entstehen, bieten Zero Emission Vehicles (ZEV) dem Unternehmen den größten Hebel, um die Treibhausgas-Emissionen zu senken.  

Umfassendes Portfolio an eTrucks und eBussen 

MAN bietet bereits seit Jahren vollelektrisch betriebene Busse und seit 2024 ein komplettes Gesamtgewichtsportfolio an Elektro-Lkw mit 12 bis 42 Tonnen mit Tagesreichweiten von bis zu 800 Kilometern an. Die erste Flotte von schweren eTrucks mit rund 120 Fahrzeugen hat im Kundeneinsatz bereits 500.000 Kilometer zurückgelegt und dabei rund 400 Tonnen CO2 im Vergleich zu Diesel-Lkw eingespart. Elektrische Busse von MAN prägen schon seit Jahren das Bild in vielen europäischen Städten: Mehr als 2.000 Fahrzeuge sind auf den Straßen unterwegs und machen den ÖPNV nachhaltiger. Und noch in diesem Jahr soll der erste vollelektrisch angetriebene Reisebus von MAN in den Einsatz gehen. 

Umdenken bei der CO2-Regulierung erforderlich 

Als eines der größten aktuellen Probleme der Nutzfahrzeugbranche bezeichnete Vlaskamp die aktuelle CO2-Regulierung. „Sie setzt extrem anspruchsvolle Ziele und droht den Fahrzeugherstellern beim Nichterreichen mit unverhältnismäßigen Strafen – die 25 Mal so hoch sind wie im Pkw- Bereich“, so MAN-CEO Vlaskamp. „Diese Strafen würden die Wettbewerbsfähigkeit unserer Industrie gefährden, dringend benötigte Investitionen in Innovationen verhindern und damit mittelfristig viele Jobs in Europa kosten. Wir bekennen uns klar zu dem Ziel, den Ausstoß der Neufahrzeugflotte bis 2030 um 45 Prozent zu reduzieren. Wir brauchen aber schnellstmöglich eine Neubewertung der CO2-Regulierung. Denn die Gesetzgebung muss anerkennen, dass es nicht mehr in unserer Hand als Hersteller liegt, ob wir die Klimaziele erreichen oder nicht. Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht, werden aber womöglich trotzdem bestraft.”  

Vlaskamp wies darauf hin, dass sich die vorgegebenen Flottengrenzwerte nur einhalten lassen, wenn die Lade-Infrastruktur für E-Fahrzeuge flächendeckend in ganz Europa ausgebaut wird. „Bis 2030 benötigen wir europaweit rund 50.000 Ladepunkte, darunter 30.000 mit einer Ladeleistung im Megawatt-Bereich. Hinzu müssen weitere 300.000 Ladepunkte in Depots kommen“, so Vlaskamp. Derzeit stehen in Europa nur 1.200 Ladepunkte für Nutzfahrzeuge zur Verfügung. Darum ist es aus Sicht von MAN dringend erforderlich, die geforderte Beschleunigung des Netzausbaus schnell umzusetzen.   

MAN ist Vorreiter beim Netzausbau 

Parallel dazu engagiert sich MAN als Teil der TRATON GROUP gemeinsam mit der Volvo Group und Daimler Truck bereits im Joint Venture Milence, das europaweit mindestens 1.700 Hochleistungs- und Megawatt-Ladepunkte für Nutzfahrzeuge bis 2027 aufbauen wird. Und in Zusammenarbeit mit dem Energieversorger E.ON baut MAN das größte Netzwerk an Lkw-Ladestationen mit rund 170 Standorten sowie circa 400 Ladepunkten für das öffentliche Laden in Europa auf.  

Hochautomatisierte Hub-to-Hub-Verkehre ab 2030 

Das Frachtvolumen und besonders Transporte zwischen Logistikhubs – wie beispielsweise den Lagern großer Online-Warenhäuser – wachsen stetig. Der Einsatz autonomer Lkw in diesem so genannten Hub-to-Hub-Verkehr ist hierfür besonders geeignet. Die Lkw fahren immer, sind maximal effizient und können zur Verkehrssicherheit beitragen. MAN treibt darum die Entwicklung für den Einsatz autonomer Lkw in Logistik-Hubs sowie für den Hub-to-Hub-Verkehr auf Autobahnen seit längerem intensiv voran und hat im April 2024 als erster Nutzfahrzeughersteller eine Level-4-Erprobungsgenehmigung auf Basis des Gesetzes zum autonomen Fahren auf deutschen Autobahnen erhalten.  

Neben Trucks können auch Busse vom hochautomatisierten Fahren profitieren. MAN hat in diesem Bereich ebenfalls bereits diverse Pilotprojekte auf den Weg gebracht. So wird im Rahmen von MINGA (Münchens automatisierter Nahverkehr mit Ridepooling, Solobus und Bus-Platoons) beispielsweise der Betrieb von hochautomatisierten Verkehrsträgern im ÖPNV-System erprobt. 

 

Download